Am Anfang war die Eiszeit

Westlich des Volksdorfer Marktes an der Halenreie stehen einige alte Baumriesen. Hier beginnt das Naturschutzgebiet. Folgen Sie doch einmal dem Wanderweg in Richtung Norden. Wenn Sie aus dem Schatten der Bäume heraustreten, werden Sie mit einem unerwartet weiten Blick belohnt.

Vor Ihnen liegt eine anmutige, flache Tallandschaft mit ausgedehnten Wiesen und Weiden. Im Norden und Süden begrenzen baumbestandene Ränder das Tal: Die Volksdorfer Teichwiesen.

Die Volksdorfer Teichwiesen haben eine außergewöhnliche Entstehungsgeschichte: Während der Weichsel-Eiszeit vor ungefähr 15.000 Jahren drangen Gletscher bis weit nach Süden vor. Der äußerste Eisrand lag auf Hamburger Gebiet. Eine Gletscherzunge reichte von Osten kommend in die heutigen Teichwiesen und schob Geröll und Sediment vor sich her. In den Gletscherspalten versickerte Schmelzwasser. Unter dem Eis sammelte sich dieses Wasser und floß wie in einem Tunnel in Richtung Westen ab. Der Fluß unter dem Eis schnitt sich tief ein und schuf die heutige Geländeform: ein in Ost-West-Richtung verlaufendes Tunneltal mit steilen Rändern. Die Talsohle lag mehr als zehn Meter unter dem umgebenden Geländeniveau.

Nacheiszeitlich wurde das Tunneltal mit Sediment und Niedermoortorfen aufgehöht. Hochanstehendes Grundwasser führte über die Jahrtausende zu Torfablagerungen von bis zu fünf Metern Mächtigkeit.

Der Mensch prägt die Landschaft

An den nördlich und südlich verlaufenden Rändern des Tunneltales führt der heutige Wanderweg durch Gehölzbestände mit Jahrhunderte alten Bäumen. Auf diesem höheren Gelände haben sich hauptsächlich Eichen und Buchen etabliert. Der Talgrund ist feucht mit hoch anstehendem Grundwasser. Hier prägte die Wirtschaftsweise des Menschen die Tier- und Pflanzenwelt.

Im Mittelalter war ein großer Teil des heutigen Naturschutzgebietes von einem Mühlteich überstaut, lag also unter Wasser. Ende des letzten Jahrhunderts legten die Menschen diesen Teich trocken. Die Teichwiesen wurden seitdem als Grünland landwirtschaftlich genutzt. Aufgrund der Feuchtgründigkeit blieb das Gebiet von der Intensivierung der Landwirtschaft verschont.

Lebensraum mit hoher Artenvielfalt!

Vom Weg, der sich im Norden entlang der Teichwiesen zieht, können Sie weit ins Grünland bis hin zu den Teichen blicken. Aber auch direkt am Wegesrand sind viele der Tiere und Pflanzen zu beobachten:

Im Frühling ist der Kiebitz auf den Weiden zu Gast und wir tun alles dafür, dass er - wie früher - wieder im Naturschutzgebiet brütet. Im Juni blühen Hunderte von Orchideen auf den feuchten Wiesen. Graureiher und Störche suchen nach Nahrung, im Sommer surrt die Luft vom Gesang der Heuschrecken, Schmetterlinge fliegen von Blüte zu Blüte. Selten gewordene Tiere wie Moorfrösche und C-Falter, Bekassinen und Sumpfschrecken sowie zahlreiche bedrohte Pflanzenarten finden hier einen Lebensraum.

Naturschutz und Naturnutzung

Um die Form des Tunneltales mit dem artenreichen, feuchten Grünland und die auf diesen Lebensraum angewiesenen Tier- und Pflanzenarten zu schützen, wurden die Volksdorfer Teichwiesen 1993 unter Naturschutz gestellt. Das allein reicht in diesem Fall jedoch nicht, um die Eigenart des Gebietes zu erhalten!

Wenn die Wiesen und Weiden sich selbst überlassen blieben, würden bald hochwüchsige Stauden, Gräser und Gebüsche die Orchideen, Kleinseggen, Sumpfveilchen und die anderen seltenen Pflanzenarten verdrängen. Langfristig würde sich ein Bruchwald entwickeln. Wiesenvögel wie der Kiebitz fänden dann keinen Lebensraum mehr.

Das Grünland in den Teichwiesen ist eine von Menschen geschaffene Kulturlandschaft. Um sie zu erhalten, ist landwirtschaftliche Nutzung oder Pflege notwendig!

Aus diesem Grund steht ein Teil des Grünlandes unter Vertragsnaturschutz. Ein Landwirt nutzt die stadteigenen Flächen. Beweidungsintensität, Mahdhäufigkeit und Mahdtermine werden auf die Ansprüche der wildlebenden Tiere und Pflanzen abgestimmt.

Verbandsnaturschutz

Auch der Verbandsnaturschutz leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des wertvollen Lebensraumes. Seit Jahren betreuen der Botanische Verein zu Hamburg e.V., die Loki-Schmidt-Stiftung sowie der BUND gemeinschaftlich das Naturschutzgebiet.

Der BUND hat die Tier- und Pflanzenwelt der Teichwiesen intensiv untersucht und läßt die Ergebnisse in den praktischen Naturschutz einfließen. Engagierte Mitglieder der Bezirksgruppe Wandsbek mähen einzelne Flächen, entfernen Gehölzaufwuchs und legen Amphibiengewässer an - stets in Absprache mit dem Naturschutzamt der Umweltbehörde.

Die Natur erleben - Naturschutzbestimmungen beachten!

Ein Spaziergang durch die Volksdorfer Teichwiesen ist für aufmerksame Betrachter ein interessantes Naturerlebnis! In den Wiesen blühen farbenprächtige Pflanzen: gelbe Sumpfdotterblumen im Mai, rosa Knabenkräuter im Juni und bunt blühende Hochstauden im Sommer. Über 30 Vogelarten, darunter Kiebitz und Bekassine, brüten in den Volksdorfer Teichwiesen.

Nehmen Sie doch einmal Ihr Fernglas mit!

Auch unmittelbar am Wegrand gibt es viel zu entdecken. Im Frühling wachsen zarte Frühblüher unter den Bäumen. Beobachten Sie einmal im Sommer Blütenbesucher wie Schmetterlinge, Schwebfliegen und glänzende Käfer auf den Hochstauden. Wenn Sie eine Lupe dabeihaben, gibt es dort kleine Wunder der Natur zu entdecken! Im Spätsommer können Sie bei der Weggabelung nahe der Brücke über die Saselbek wunderbar Heuschrecken beobachten. Manchmal hat man Glück, und das seltene Zwitscher-Heupferd zeigt sich unmittelbar am Weg. Oder schließen Sie einfach einmal Ihre Augen. Die Geräusche der Natur sind hier ein wahrer Ohrenschmaus!

Damit die Volksdorfer Teichwiesen ihre Schönheit behalten, halten Sie sich bitte an die folgenden Regeln:

  • Bitte bleiben Sie auf den Wegen!
  • Beim Betreten des Grünlandes würden Sie nicht nur empfindliche Tierarten verscheuchen, sondern auch fragile Pflanzen zertreten!
  • Bitte halten Sie Ihren Hund auf dem Weg! In den Wiesen frei laufende Hunde können allein dadurch, daß sie die schützenden Elterntiere vertreiben, den Kiebitzjungen das Leben kosten, denn Bussard, Krähen und Elstern lauern ständig!
  • Bitte lassen Sie keinen Müll liegen! Gerade in einem Gebiet mit hoher Besucherzahl ist weggeworfener Müll ein großes Problem. Helfen Sie mit! Es stehen an vielen Stellen Mülleimer bereit.

Selber aktiv werden - mitmachen beim BUND

Wenn Sie mehr tun möchten, um die Schönheit und die Lebensräume der Volksdorfer Teichwiesen zu erhalten, sind Sie jederzeit bei den Aktivitäten des BUND willkommen. Die Bezirksgruppe Wandsbek ist seit 1989 dort betreuend tätig und freut sich über Menschen, die sich aktiv für den Naturschutz engagieren möchten!

Kontakt:
BUND-Bezirksgruppe Wandsbek
Berufsförderungswerk Farmsen
August-Krogmann-Straße 52,
22159 Hamburg

Tel./Fax 040 - 645 81 18 24 (Anrufbeantworter)