Mit den Konzernen geht das nicht!

BUND-Fachtagung: Rekommunalisierung der Netze –­ Chancen für erneuerbare Energien

Detlef Palm, Geschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen in Norddeutschland sieht in einer mög­lichst weitgehenden Rekommunalisierung der Netze und der Energieversorgung nur Vorteile für die Stadt. Die Gewinne gingen dann nicht mehr in die Taschen der Aktionäre, sondern könnten für Kindergärten und Schwimmbäder verwendet werden – oder um die Schlaglöcher in der Hansestadt auszubessern. Auch die Investitionen für den Rückkauf der Netze seien finanzierbar, ohne die Stadtkasse zu belasten. Detlef Palm ergänzte, dass der kommunale Netzbetrieb die regionale Wertschöpfung deutlich steigere. Er appellierte deshalb an die Beschäftigten der Energiekonzerne, die Volksinitiative und deren Anliegen zu unterstützen und mitzugestalten.

Wie man mit Stadtwerken richtig Geld verdienen kann, zeigte Dr. Thomas Meerpohl am Beispiel der Stadtwerke München. Diese investieren europaweit in wirtschaftlich Erfolg versprechende Projekte und profitieren dabei von den jeweiligen Förderprogrammen für Erneuerbare Energien. Ziel der Stadtwerke München (SWM) ist es, bis zum Jahr 2025 soviel Strom aus »Erneuerbaren« zu produzieren, dass alle Privathaushalte und Industriebetriebe Münchens davon versorgt werden könnten.

Auf dem Podium (v.l.): Prof. Dr. Christian Jänig, Manfred Braasch, Christian Maaß, Tobias Knahl

Die Vielzahl der Projekte der SWM machen dabei den enormen »Energiehunger« einer Metropole deutlich. In München sind es rund 9,5 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Zu Recht kam aus dem Publikum der Einwand, dass sich die SWM – wie auch die privaten Energieversorger – offensichtlich als Stromerzeuger-Konzern verstehen. Einsparpotenziale und Effizienzsteigerungen scheinen dagegen eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Für Dr. Helmuth Groscurth vom arrhenius Institut für Energie- und Klimapolitik liegen im Rahmen der Wohnraumsanierungen in Hamburg enorme Sparpotenziale auf dem Wärmesektor. Für die Fernwärme sei es deshalb klimafreundlicher, auf eine neue Trasse zum Kohlekraftwerk Moorburg zu verzichten und statt dessen auf flexiblere, so genannte Subnetze mit niedrigeren Temperaturen zu setzen.

Dass die Gestaltung der Netze auch bei der Elektrizität von enormer Bedeutung ist, zeigte Prof. Christian Jänig von den Stadtwerken Unna. Die Stadt setzt auf intelligente Verteilnetze, so genannte Smart Grids, deren kleinere, dezentrale Erzeugungsanlagen den Strom nur produzieren, wenn er wirklich gebraucht wird. Beim Schutz von Umwelt und Klima zählen die Stadtwerke Unna dafür bundesweit zu den Vorreitern.  

Moderation: Sebastian Knauer

Alle Referenten der Veranstaltung gingen davon, dass ein öffentlicher Netzbetrieb die Erneuerbaren Energien befördern würde. Die Meinungen in der abschließenden Podiumsdiskussion gingen aber weit auseinander. Tobias Knahl wünschte sich für die Handelskammer, dass sich die Stadt gegen eine Rekommunalisierung entscheidet, der Staatsrat der BSU, Christian Maaß, hofft ab 2014 immerhin »auf einen maßgeblichen Einfluss« der Stadt auf die Netze.

Für Prof. Christian Jänig und BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch ist hingegen klar, dass ein wirksamer Klimaschutz, also der Ausbau der Erneuerbaren in Kombination mit effizienten Sparmaßnahmen, nur möglich ist, wenn die Stadt wieder die »Herrschaft über die Netze« hat. »Mit den großen Energiekonzernen kriegen wir das nicht hin«, so die klare Botschaft von Professor Jänig.  

Detlef Palm,
Geschäftsführer Verband kommunaler Unternehmen

Dr. Helmuth Groscurth,
Geschäftsführer arrhenius Institut für Energie- und Klimapolitik

Städtische Wärmenetze und erneuerbare Energien

 

Prof. Dr. Christian Jänig,
Geschäftsführer Stadtwerke Unna

Virtuelles Kraftwerk in der Praxis



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