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Baumschutz in Hamburg - Green vs. Capital?

Die »Grüne Metropole« verliert jährlich netto rund 3.000 Bäume allein im öffentlichen Raum. Im Rahmen einer Fachtagung am 30. Oktober diskutierte der BUND Hamburg zusammen mit Behördenvertretern und Bürgern die Gründe und Lösungsmöglichkeiten aus dieser Situation.

Während Bäume in freier Natur oft mehrere Hundert Jahre alt werden, geht es ihren Artgenossen in der Stadt deutlich schlechter: Diese werden oft nur 30-50 Jahre alt. Luftschadstoffe, Verletzungen durch Fahrzeuge und Baumaschinen, Hunde- und Menschenurin sowie in den letzten Jahren wieder ein sehr leichtfertiger Umgang mit Streusalz im privaten und öffentlichen Bereich machen unseren Stadtbäumen das Leben schwer. Die Folgen sind das Eindringen so genannter Schwächeparasiten wie Fäulnispilze und Insekten - und letztlich die Kettensäge.

Noch etwas machte der Göttinger Baumfachmann Prof. Dr. Rolf Kehr den rund 150 Besuchern der BUND-Fachtagung klar: Die Bäume kämpfen in der Stadt schon lange mit den Bedingungen des Klima-Wandels.

Kein Wunder also, dass die rund 30 Millionen Euro, die Hamburg laut Wilhelm Schulte, dem Leiter des Amtes für Landes- und Landschaftsplanung der Stadt Hamburg seit 2004 in seine Straßenbäume investiert hat, bei weitem nicht ausreichen. Rechnet man die Parks dazu, verliert die Stadt in der Summe jährlich rund 3.000 Bäume. Ginge es so weiter, wären einige Bezirke Hamburgs in weniger als 100 Jahren baumfrei.

Dass Geld allein für einen effektiven Baumschutz nicht ausreicht, belegten weitere Referenten der BUND-Tagung sehr eindrucksvoll. Der Jurist Jan Mittelstein zeigte, dass es trotz mehrfacher Verankerung des Baumschutzes in der bundesdeutschen und der Hamburger Gesetzgebung im Zweifelsfall recht einfach ist, Bäume und Baumbestände abzuholzen. Prominente Beispiele sind das BID-Projekt (Business Improvement District) Hohe Bleichen, die Fernwärmetrasse für das Kohlekraftwerk Moorburg durch den Grünzug Altona und nicht zuletzt die Tatsache, dass auf Privatflächen in Hamburg jährlich rund 20.000 Bäume fallen. Lediglich acht Prozent der Fällanträge werden von den Behörden im Durchschnitt zurückgewiesen.

Den juristisch derzeit in Hamburg wohl strittigsten Eingriff in einen wertvollen Baumbestand stellte Philip Cramer von der Bürgerinitiative »Rettet den Buchenhof-Wald« vor. Hier sollen zwischen Osdorfer Landstraße und Brookwisch in Kürze 66 Wohneinheiten entstehen. Dafür sollen 131 bis zu 200 Jahre alte Buchen und Eichen fallen und weitere 277 beschnitten, gestutzt und ausgelichtet werden. Auch der verbleibende Bestand wäre damit massiv beeinträchtigt und gefährdet. Besonders brisant dabei ist, dass das Grundstück im Hamburger Landschafts- und Artenschutzprogramm als Waldfläche ausgewiesen und geschützt ist. Der Bauverein der Elbgemeinden eG (BVE) und die schwarz-grüne Altonaer Regierungskoalition wollen das Vorhaben aber auf Grundlage eines Baustufenplans aus dem Jahr 1938 durchsetzen. Dabei scheut der Bezirk nicht davor zurück, den Bürgerwillen im derzeit laufenden Bürgerentscheid mit einer bewusst irreführenden Vorlage zu torpedieren (Info unter www.buchenhof-wald.de).

Eine Ursache für diese Situation sehen BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch und Monika Schaal von der SPD in der Zerschlagung der Naturschutzreferate in den Bezirken im Rahmen der Bezirksverwaltungsreform sowie in der Tatsache, dass die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) den Baumschutz in die alleinige Verantwortung der Bezirke gegeben hat, ohne dafür Ausführungsbes­timmungen vorzugeben.

BSU-Staatsrat Christian Maaß sah hierfür auch keine Veranlassung, kündigte aber an, die Erfahrungen aus der Bezirksverwaltungsreform gewissenhaft auszuwerten und gegebenenfalls Änderungen zu veranlassen. Gleichzeitig forderte er die Bevölkerung und die Verbände auf, sich beim Thema Baumschutz in Hamburg zu engagieren und damit zum Erhalt ihrer »Grünen Metropole« beizutragen.

Der BUND hat dafür mit dieser hoch spannenden Fachtagung den Auftakt gemacht und bietet allen Interessierten an, den Landesverband als Plattform für ihr Engagement zu nutzen.    ps


Dr. Horst Stobbe, Institut für Baumpflege Hamburg

Qualitative Baumpflege vs. Artenschutz

Manfred Braasch, BUND-Landesgeschäftsführer

Baumschutz in Hamburg aus Sicht des BUND

Frank Krippner, NDR Umweltjournalist

Moderation



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